Optimismus
September 10th, 2006
Angemessener Optimismus - Eine mentale Einstellung, die erfolgreich ist
Viele gute Spieler betrachten sich als rationale Menschen und denken solange sie die richtigen Strategien verfolgen und die passenden Spielzüge ausführen werden sie auch gewinnen und glauben das Gefühle beim Pokerspiel bedeutungslos sind. Die Auffassung, dass wenn sie von anderen Spielern geärgert werden z.B. mehrere bad beats oder ähnliches innerhalb einer kurzen Zeit, ihr Spielverhalten ändern könnte, erscheint ihnen geradezu lächerlich. Dass dem nicht so ist zeigt sich aber immer wieder. Deshalb ist es wichtig die richtige Einstellung zum Pokerspiel zu haben, denn sein Verhalten nicht zu ändern ist nur der Anfang. Es ist auch nötig eine positive Grundeinstellung dem Spiel gegenüber bei zu behalten. Es ist also immer ein gewisses Maß an Optimismus gefragt.
Warum ist das von so bedeutender Wichtigkeit? Nun, viele gute Spieler geraten in Stress wenn ihr Spiel nicht so läuft, wie sie sich das vorstellen. Stress wiederum ist das Schlechteste was einem Pokerspieler passieren kann, denn er hat unweigerlich Einfluß auf sein Spielverhalten. Wenn man sich, bedingt durch den Spielverlauf, verärgern lässt, reagieren Körper und Geist automatisch negativ, mit den entsprechenden Auswirkungen auf das Spiel.
Das Urteilsvermögen funktioniert nicht mehr so wie es soll. Die richtigen Entscheidungen zum richtigen Zeitpunkt zu treffen ist es, um was es beim Pokerspiel eigentlich geht und wenn man gestresst ist, wird das Urteilsvermögen das nötig ist um zu gewinnen, vernebelt.
Unter Stress spielt man schlecht, was wiederum zu noch mehr Stress und Ärger führt und man spielt noch schlechter. Das Pokerspiel kennt mehrere solch heimtückische Spiralen, die man zwingend kennen muss und auf die man gefasst reagieren muss um im Spiel erfolgreich zu bleiben. Es ist verwunderlich, wie viele wirklich gute Spieler, wenn sie durch schlechte Karten verlieren, wie im Rausch versuchen ihr Geld wieder zu gewinnen und dadurch ihren Kapitalstock richtig kräftig schädigen, da sie durch dieses Verhalten erst richtig verlieren.
Jeder erfahrene Pokerspieler kennt diese Situation. Anstatt aufzuhören und es für diesen Tag zu lassen ist man bereit etliche Stunden zu opfern um sein Geld wieder zu gewinnen. Allein die Tatsache das man gewillt ist 20 Stunden und mehr für dieses Vorhaben zu investieren, ist ein Zeichen dass man nicht mehr ganz klar im Kopf ist und die Chancen sein Geld wieder zurück zu holen sind eher gering. Wahrscheinlicher ist dass man das Doppelte oder mehr verliert und dann stinksauer nach Hause geht und man fragt sich, wie das passieren konnte.
Wenn man gut spielt und es läuft nicht- aufstehen und das Spiel verlassen. Beim nächsten Mal geht es wieder normal. Mit dieser positiven Grundeinstellung lebt es sich besser und erfolgreicher. Man ist wesentlich weniger gestresst, man erkennt die Anzeichen dafür dass man gestresst wird eher und kann Maßnahmen dagegen ergreifen.
Soweit zu den negativen Auswirkungen wenn man nicht positiv denkt und sich dazu verleiten lässt wütend oder sauer zu werden. Warum aber passiert es aber auch guten Spielern dass sie frustriert werden und dadurch in eine Stresssituation geraten? Der Hauptgrund dürfte sein, dass sie keinen realistischen Einblick haben wie Poker funktioniert. Sicher, sie kennen die notwendigen Regeln und Spielzüge, haben aber nicht erkannt, das Poker ein Spiel ist bei dem man sich auf einem schmalen Grat bewegt. Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Pocketpair Asse geschlagen wird. Sie verhalten sich aber als ob die Chancen dafür 1000 zu 1 stehen würden und flippen fast aus. Wozu diese Aufregung? Poker ist ein Spiel beim dem schlechtes Spiel immer bestraft wird. Schlechte Spieler können kurzfristig gewinnen werden aber am Ende des Tages als Verlierer den Tisch verlassen. Was aber wichtiger ist, ein Gewinn kann sie veranlassen immer wieder zu spielen und so bleiben sie der Gemeinschaft der Pokerspieler erhalten. Selbst wenn Spieler wissen was sie tun sollten, handeln sie oft nicht danach. Der Grund ist dass sie irgendwann der Meinung sind dass man mit jeder Hand gewinnen kann und sie spielen mehr Hände. Damit begeben sie sich auf die Verliererseite.
Also es gibt keinen Grund sich zu ärgern, wenn man durch einen schlechten Spieler geschlagen wird. Das Geld kommt auf die Dauer, direkt oder indirekt wieder zu einem zurück. Immer positiv denken und ruhig bleiben! Man wird immer Spiele verlieren. Es macht keinen Unterschied ob mein Gegner dabei ein out oder 10 outs hatte. Das Spiel ist einfach verloren. Aber wenn ich konsequent richtig spiele wird sich alles zum Guten wenden.
Ein weiterer Grund warum Spieler ihre Fassung verlieren ist, dass sie kein Vertrauen in ihre eigene Strategie haben mit der sie auf Dauer gewinnen würden, wenn sie ein paar Mal geschlagen werden. Sie hinterfragen ihre Strategie und nehmen Anpassungen vor. Meistens bewirken diese Anpassungen nichts Gutes und dann rasten sie vollkommen aus. Swings sind normal beim Poker. Was man will ist so wenig wie möglich zu verlieren und so viel wie möglich zu gewinnen. Sein bestes Spiel abzuändern nur weil man ein paar Hände verloren hat bringt in der Regel nichts Gutes und bewirkt meistens das Gegenteil.
Niemand ist dagegen gewappnet zu verlieren. Nur wie man darauf reagiert macht den Unterschied zwischen auf Dauer erfolgreichen Spielern und den Verlierern.
Ein erfolgreicher Spieler ist ein angemessen optimistischer Mensch, der genug Erfahrung und Vorausschau hat, um das Spiel aus einer entfernteren Perspektive zu betrachten. Dabei darf man Vertrauen nicht mit übersteigertem Ego verwechseln. Bescheidenheit ist wichtig, da sie uns erlaubt die Dinge objektiv zu betrachten. Selbstvertrauen gepaart mit logischer Analyse der Informationen, die uns die jeweilige Spielsituation liefert führt auf Dauer zum Erfolg.
Es liegt kein Vorteil darin zu denken, dass man besser als andere ist und sich für unschlagbar hält. Im Gegenteil, übersteigertes Ego führt zu einem Anspruchsdenken, das einen ganzen Wulst von Problemen für einen Pokerspieler beinhaltet- darum Optimismus ja, übersteigertes Ego nein!
Der Grund für eine optimistische Grundhaltung, auch wenn das Spiel mal schlecht läuft ist das der Erwartungswert auf Dauer positiv ist. Was juckt es wenn man während eines Spiels schon viermal mit AA verloren hat. AA ist nichts anderes als eine weitere Hand während des Spiels. Wichtig ist dass man etliche andere Spiel mehr gewonnen hat. AA ist nur eine Hand, man kann in diesen Spiel mit mehr Starthänden gewinnen. Die Strategie und der Glauben daran ist wichtig.
Ein ausgeglichener, optimistischer und guter Spieler ist zufrieden wenn er gut spielt und lässt den Karten seinen Lauf. Kling einfach und dem ist auch so. Weit über 90 % des Erfolgs hängt davon ab, wie sehr man sich selbst unter Kontrolle hat. Wenn einem das nicht gelingt wird man niemals ein erfolgreicher Spieler sein

